Erst messen. Dann vielleicht umziehen.
Der Shop braucht drei Sekunden, die Hoster-Oberfläche leuchtet grün: „Caching aktiviert“. Der Umzug zum nächsten Anbieter ist schnell gebucht – und nimmt das Problem gern mit.
Die Herausforderung
Ein kleiner Online-Händler mit WooCommerce-Shop: Startseite und Katalog luden zwei bis vier Sekunden. Im Kundenbereich des Managed-Hosters stand „Server-Caching aktiviert“, der Support verwies auf gute Werte beim PHP-Cache. Verdächtig war alles – Hoster, Theme, Plugins, Datenbank. Belegt war nichts. Der übliche Reflex heißt Umzug. Nur: Wer nicht weiß, was bremst, packt die Bremse mit ins Umzugsauto.
Was wir gebaut haben
- Ein Zwilling zum Vergleichen: Wir haben den Shop 1:1 auf eigener Infrastruktur geklont, mit Bestellungen und Bildern, aber ohne Internetzugang. Mails landen in einem Auffangbecken statt bei Kunden. Dort lief alles, was ein Managed-Hoster sperrt: getuntes PHP, Objekt-Cache, Seiten-Cache. Drei Umgebungen, dieselben Seiten, dieselbe Messung.
- Messen statt vermuten: Jede Antwort verrät im Header, ob sie aus dem Cache kam. Beim Live-Shop stand bei jeder Seite: umgangen. Plugins, Theme-Einstellungen, Cookies und PHP-Cache haben wir einzeln ausgeschlossen. Übrig blieb eine Regel auf dem Server des Hosters, die in dessen Oberfläche gar nicht auftauchte. Mit diesem Befund bestätigte der Support den Fehler und entfernte die Regel.
- Ein Cache, der Warenkörbe nicht verwechselt: Für selbst betriebene Shops entstand ein Aufbau, der auch Besucher mit vollem Warenkorb aus dem schnellen Cache bedient, ohne ihren Warenkorb dem nächsten Besucher zu zeigen. Geänderte Produkte werden punktgenau neu erzeugt, ein Vorwärmer hält rund 500 Seiten frisch.
- Ein ehrliches Gutachten: Auch ein Neubau als Headless-Shop stand im Raum. Wir haben ihn durchgerechnet und abgeraten.
Was es bringt
Die Startseite kommt seither aus dem Cache: statt zwei bis vier Sekunden zwischen 0,1 und 0,2 Sekunden, nachgemessen im Oktober. Der Umzug war vom Tisch – nach der Korrektur lag der bestehende Hoster im Vergleich sogar leicht vorn. Warenkorb und Kasse brauchen weiter rund zwei Sekunden, auf jedem Server. Das ist Rechenarbeit des Seitenbaukastens, die kein Hosting wegkauft. Auch das steht im Gutachten statt auf der Rechnung des nächsten Anbieters.
Dasselbe Muster gab es in einem Odoo-Shop: Die Produkt-Feeds für Google und Preisportale brauchten fast acht Minuten, weil für jeden Artikel das Bild in voller Größe geladen wurde – nur um zu prüfen, ob es eines gibt. Danach: wenige Sekunden.
Für wen das passt
Händler mit WooCommerce- oder WordPress-Shop, deren Seiten zäh laden und die über einen Hosterwechsel nachdenken – bevor sie unterschreiben. Agenturen, die einen Kundenshop betreuen und für das Gespräch mit dem Hoster einen Befund brauchen statt eines Gefühls. Für die Diagnose genügt der Blick von außen; für den Vergleichsklon braucht es eine Kopie von Datenbank und Dateien. Am Live-Shop ändern wir nichts ohne Freigabe.